Du hast das perfekte Geschäftsmodell entwickelt. Wie aber geht es jetzt weiter? Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen zum Gründen in Deutschland besser denn je. Dennoch traut sich nur eine von 20 Personen zu, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Mit den folgenden Tipps kannst du deine Ängste vor Bürokratiebergen abbauen und letzte Risikobedenken überwinden.

Wenn man angehende Unternehmer fragt, warum sie gründen, erklärt die überwiegende Mehrheit: »Die Gelegenheit war günstig.« Wenn man scheidende Gründer fragt, warum sie die Unternehmung wieder beendet haben, antwortet knapp ein Viertel, dass ihr Unternehmen nicht profitabel genug war, ein weiteres Viertel führt persönliche Gründe an und nur knapp sechs Prozent steckten in echten Finanzierungsschwierigkeiten. Das sind gute Nachrichten, denn das bedeutet: Wenn du dein Geschäftsmodell gründlich durchdacht hast und motiviert bist, kann fast nichts schiefgehen. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei so unbequem wie simpel: radikale Ehrlichkeit. Verschaffe dir Klarheit darüber, was du allein nicht hinbekommst, und hole dir Hilfe.

Beratung

Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich das offizielle Gründerportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Es enthält eine Datenbank mit rund 25.000 Adressen von öffentlichen Einrichtungen und Institutionen, die Gründer beraten. Das BMWi hat dazu auch eine App herausgebracht, bisher allerdings nur für Smartphones mit iOS-Betriebssystem.

Da die Überprüfung eines eigenen Gründungskonzepts vor der eigentlichen Realisierung durch einen neutralen Fachmann – dem sogenannten Existenzgründerberater – häufig nicht kostenfrei ist, unterstützen die meisten Bundesländer mit einem Zuschuss. In der Regel deckt dieser rund 50 Prozent der Beratungskosten, allerdings schwankt der Anteil über die Bundesländer hinweg. In NRW etwa werden bei Hochschulabsolventen bis zu 80 Prozent erstattet.

Auch der Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren ist eine große Hilfe und fasst zahlreiche Empfehlungen, Informationen und Kontaktstellen für deine ersten Gehversuche zum eigenen Unternehmen zusammen. Im Grunde findet man hier alles, was nötig ist. Ansonsten kann man sich mit diversen Fragen zu Abläufen der Existenzgründung oder Unternehmensnachfolge auch an seine örtliche Industrie- und Handelskammer wenden. Allein in NRW finden sich 15 Anlaufstellen, deren Onlineangebote erste Antworten liefern. Für Interessenten handwerklicher Betriebe sind natürlich die Angebote der Handwerkskammern ideal.

Tatsächlich nimmt die Beratung im Gründungsprozess den größten und wichtigsten Platz ein, denn das effizienteste Geschäftsmodell trägt nicht, wenn es nicht mindestens so effizient umgesetzt wird. Wichtige Fragen, die du in diesem Zusammenhang klären solltest: Welchen Standort wähle ich? Welche Rechtsform eignet sich am besten? Wie und wo stelle ich Anträge auf öffentliche Fördergelder?

Fördermöglichkeiten

Du hast dich umfassend beraten lassen? Dann kann es losgehen. Alles, was du jetzt noch brauchst: Kapital. Bloß, woher nehmen, wenn du nicht selbst über das notwendige Geld verfügst? Zum Glück gibt es Fördermöglichkeiten – im europäischen Vergleich sind das hierzulande mit Abstand die meisten. Wir haben für dich die folgenden Möglichkeiten recherchiert:

  • Wettbewerbe und Messen
    Im Jahr 2017 zählte fuer-gruender.de insgesamt 176 bundesweite Wettbewerbe, bei denen Gründer ihr Start-up vorstellen konnten. Dazu kommen unzählbare regionale Wettbewerbe, Ausschreibungen von Universitäten, Bewerbungen für Stiftungsplätze, Pitches vor Unternehmen, Messeveranstaltungen usw. Der Vorteil solcher Angebote: Neben der Aussicht auf Gewinne lassen sich auf diese Weise die eigene Reichweite und der Bekanntheitsgrad steigern. Schau dich also um und trau dich. Nahezu täglich gibt es Termine zum Zusammentreffen mit Unternehmen oder Institutionen, die deine Idee vielleicht unterstützen möchten. Nutze diese Gelegenheiten, denn jedes Feedback bringt dich weiter auf deinem Weg zur Selbstständigkeit.
  • Land, Bund, EU
    Über die Suchmaske des Portals foerderdatenbank.de kannst du im Förderbereich zwischen den Optionen »Existenzgründung & -festigung« oder »Zuschüsse«, » Darlehen«, »Bürgschaften« und »Beteiligungen« wählen. Die konkreten Merkmale und das Beantragungsprozedere findest du hier. Wie immer sollte dir im Vorhinein klar sein, wie viel Geld du brauchst, wofür du es ausgeben willst und welche Art der Förderung für dich am besten ist.
    An dieser Stelle sei erwähnt, dass es in Deutschland in den jeweiligen Bundesländern spezielle Förderbanken (fuer-gruender.de und deutschland-startet.de) gibt. Der Unterschied zu normalen Banken ist schnell erklärt: Sie agieren im öffentlichen Auftrag und bieten im Sinne der Wirtschaftsförderung vergünstigte Finanzierungen an. Hier erhältst du auch sogenannte Mikrokredite, bei denen man sich als Gründer abseits hoher Bankenkredite und ohne große Rücklagen finanzieren kann (zwischen 100 und 25.000 Euro sind möglich). Mikrofinanzierungen kannst du zudem über Stiftungen oder private Unternehmen erhalten. Voraussetzung für die Finanzierung: ein Businessplan. Der ist zwingend erforderlich. Er umreißt das Geschäftsmodell und strukturiert die notwendigen Gründungsressourcen.

Inkubatoren

Wenn du nach einer langfristigen Unterstützung suchst, die dich auf deinem Weg in die Selbstständigkeit begleitet, dann führt kaum ein Weg an Inkubatoren vorbei. Diese helfen dir, deine Gründungsidee bestmöglich umzusetzen: mit Kapital, Know-how, Kontakten und Infrastruktur.

Accelerator

Diese »Institutionen« unterscheiden sich von einem Inkubator im Prinzip nur durch den Zeitraum, innerhalb dessen sie agieren. Man könnte sie auch als Bootcamp für die Unternehmensgründung bezeichnen. Unter stetiger Aufsicht wird Wochen bis Monate daran gearbeitet, den jungen Unternehmern das nötige Handwerkszeug an die Hand zu geben, um am Markt bestehen zu können.

Werbung

Zu guter Letzt musst du natürlich dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen auf dein Unternehmen oder Produkt aufmerksam werden. Bevor du jetzt wild mit PR und Social Media loslegst, solltest du dir einmal die Zeit nehmen und deine Gründerstory klar umreißen, denn neben dem »Was« ist auch die Frage nach dem »Warum« entscheidend. Storytelling heißt das Zauberwort. Konsumenten wollen heutzutage gute und vor allem persönliche Geschichten lesen. Sie möchten hinter die Kulissen deines Start-ups schauen, interessieren sich dafür, mit wem sie es zu tun haben und welcher »Geist« hinter der Idee steckt. Erzähle also, wie dein Unternehmen zustande kam, was dich bewegt, welche Hürden du vielleicht überwinden musstest oder warum du unbedingt tun wolltest, was du jetzt machst.