Ein Museum für Werte

2018-12-12T10:53:00+00:0010. Dezember 2018|Aktuelle Teilnehmer|

Vor fast genau einem Jahr haben wir eine Ausstellung aufgebaut, die unser Leben auf den Kopf stellen sollte. Ein Jahr später muss ich mich beim Schreiben dieses Textes kneifen. Im letzten Jahr ist mir das Leben widerfahren!

In 2018 haben wir bei einem der größten Kunstmuseen ausgestellt und durften über 1.500 Kinder und Jugendliche in Werte-Erfahrungen bringen. Wir haben die TEDxMünchen Bühne mit unglaublichen Speakern und Change Makern teilen dürfen. Dabei hatten wir nichts weiter als die Hoffnung unsere eigenen Werte zu finden! Entstanden ist dabei das Museum für Werte – ein soziales Projekt, mit dem wir Menschen helfen sich mit ihren Werten auseinander zu setzen.

Aber erst mal alles auf Anfang: 2017 lief vieles verquert im meinem Leben. Aus dem Status Quo auszubrechen und den gewohnten Pfad zu verlassen ist schwer. Freunde und Familie haben Erwartungen. Es gilt Rechnungen zu zahlen. Meine Doktorarbeit will geschrieben werden. Das ist als ob man mit zehn Leuten gleichzeitig Händchen hält – und jeder zieht in eine andere Richtung. Ich musste mich auf das verlassen, was mir Orientierung gibt: mein Bauchgefühl.

Dieses Bauchgefühl hat mich überhaupt dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Anstatt eine sichere Anstellung nach dem Studium zu suchen, haben eine Kommilitonin und ich schon während dessen freischaffend gearbeitet und uns selbstständig gemacht. Kira und ich haben uns ein kleines Segelboot in rauen See der Arbeitswelt gebaut. Wir mussten zahlreiche Stürme aushalten, viel Kritik wegstecken, Lehrgeld zahlen und wollten trotzdem unserem eigenen Kompass folgen.

Aber ein Ziel stand für uns schon lange Fest: 2017 wollten zusammen zum Burning Man Festival in die Wüste von Nevada. 10 Prinzipien und Werte stehen während dieser acht Tage Festival über allem. Diese kurze, aber intensive Zeit war unsere Eintrittskarte in den nächsten Lebensabschnitt. Anstatt die nächsten Schritte zu planen, haben wir unseren ganz eigenen Tanz dem Leben gewagt.

Inspiriert von der radikalen Offenheit, Selbstverantwortung und der bedingungslosen Partizipation dieses Festivals, wuchs der Wunsch nach einer Veränderung. Uns beschlich das Gefühl nicht vollständig erfüllt zu sein. Obwohl – und das war das Paradoxe – alles perfekt zu sein schien. Guter Job, schöne Wohnung und faires Gehalt war für uns nicht der kürzeste Weg zum Lebensglück.

Während wir vollgestaubt und unter Extrembedingungen in der Wüste von Nevada saßen, haben wir alle eine Meinung geteilt: Werte werden universell und als leere Begriffshüllen in der Gesellschaft, Werbung, Politik und Öffentlichkeit verwendet. Es fehlt jedoch ein Ort, an denen persönliche Perspektiven geteilt und die Bedeutungen greifbar gemacht werden. Dabei geben uns Werte Handlungs- und Entscheidungshilfen, werden aber kaum kommuniziert. Diese Erkenntnisse teilten wir alle und sahen darin schlussendlich eine wichtige Aufgabe anstatt eines Problems. Eine Aufgabe, die sich gemeinsam lösen lässt. Gedacht – getan.

Zurück in Berlin und ohne Zweifel stürzten Kira und ich uns zusammen mit Jan und Thomas in das Projekt Museum für Werte.

Der Kern des Konzepts sind kurze Anekdoten von unterschiedlichen Menschen, in denen Objekte eine Rolle spielen. In unserem Museum stellen wir diese Objekte und Geschichten aus, die wie Zeitzeugen funktionieren. Der erste Teil des Museums soll helfen den Kopf zu öffnen. Im zweiten Teil laufen Besucher durchs Museum, lassen sich treiben und bekommen unterschiedliche Perspektiven. Im dritten Teil werden sie selbst aktiv und reflektieren über die eigenen Werte.

In weniger als zwei Wochen stellten wir mit eigenen Mitteln nach dem Burning Man Festival mit vielen helfenden Händen eine 4 tägige Ausstellung in Berlin Neukölln auf die Beine. Aus anfänglichen Angst, dass keiner kommen würde, wurde schnell eine volle Ausstellung, die wir zwischenzeitlich wegen aus Platzmangel schließen mussten.

2017 mit einer solch wundervollen Erfahrung abzuschließen und auf den letzten Metern noch einmal solch schöne Erkenntnisse zu gewinnen um diese in das kommende Jahr mitzunehmen, gab mir zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben sehr viel Kraft. Ich hatte ein turbulentes Jahr hinter mir. Es war schön zu erkennen, dass auch neben unseren „normalen“ Jobs so ein tolles Projekt zustande kommen konnte. Und am schönsten war es, so viele Menschen zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Was nahmen wir mit? Unendliche Motivation.

Wieder Stand ich einmal an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich auf mein Bauchgefühl hörte. Ich wollte mehr Menschen die Möglichkeit geben die Erfahrung in unserer Ausstellung zu machen; einen Raum schaffen wo Werte erfahr- diskutier- und sichtbar gemacht werden können. Und ich war mir sicher, dass dies gemeinsam als ko-kreation mit diesem so furchtbar tollen Team möglich ist. Werte brauchen einen Raum. Denn selbst in den Wochen nach der ersten Ausstellung bekamen wir noch Einreichungen – ohne, dass eine weitere Ausstellung in Sicht war.

Das Museum für Werte wurde ein Herzens-Projekt, das uns alle nicht mehr los ließ. Immer wieder saßen wir zusammen und waren uns einig, dass es weitergehen sollte. Wir wussten nicht wie und wann. Das größte Problem ist, dass wir die Ausstellungen aus eigenen Mitteln finanzieren.

Genau ein Jahr später will ich DANKE sagen. Danke an das Team und an alle, die uns unterstützt und an uns geglaubt haben. Wir haben es mit geringen finanziellen Mitteln geschafft eine wichtige gesellschaftliche Diskussion mittels unserer Ausstellung an viele Orte zu bringen. Die letzten 365 Tage waren nicht leicht, doch wir sind überzeugt einen kleinen aber wichtigen Beitrag zu leisten.

Unser Wunsch für 2019 ist, dass wir möglichst vielen Menschen Zugang zu ihren eigenen Werten ermöglichen. Gerade in Zeiten von politischen Krisen, sozialer Ungleichheit und starken Veränderungen ist es aus unserer Sicht extrem wichtig, seinen eigenen inneren Kompass zu finden und zu definieren. So wie es mir geholfen hat, als mein Leben auf den Kopf gestellt wurde: mit Bauchgefühl und eigenen Werten!

 

 

Diese Geschichte wurde von Laura Ludwig eingereicht.