„Du studierst Sozialwissenschaften? Und was macht man bitte damit, wenn man fertig ist?“
Es ist 2009. Nach dem Abitur befinde ich mich im 1.Semester an der Universität und ich sehe mich immer häufiger mit diesen Fragen konfrontiert. 


Viele angehende Studenten werden sie kennen, auch ich hörte sie damals ziemlich häufig und fing an sie mir selbst zu stellen. Ich hatte in der Schule Geschichte-Leistungskurs und war von politischen Zusammenhängen sowie deren Einfluss auf unser aller Leben immer fasziniert. Was ich mit dieser Interessenslage allerdings einmal machen könne – im Sinne von: wie ich damit später einmal Geld verdienen könne – davon hatte ich keinerlei konkrete Vorstellung. Hinzu kam, dass die Universität nicht meinen Erwartungen entsprach. Keine regen Diskussionen mit Professoren über unterschiedliche Perspektiven und Annahmen. Stattdessen verschulter Prüfungsstoff, der am Ende des Semesters wiedergegeben werden musste. Meine Begeisterung flachte ab und ich wechselte ein wenig desillusioniert das Studienfach, um mit diesem dann später auch ‚etwas‘ machen zu können.

Springen wir nun 8 Jahre nach vorne. Anfang 2017 hatte ich also inzwischen einen spannenden Job im Sportmarketing, mit tollen Kollegen und für mein verhältnismäßig junges Alter von 26 war ich bereits auf dem besten Weg klassisch Karriere zu machen. Als verantwortlicher Vertriebsleiter mit eigenem Team in einem aufstrebenden Startup standen mir theoretisch allerlei Türen und Wege offen.
Ich entschied mich jedoch genau an diesem Punkt für einen Weg, der nicht nur auf Verständnis stoß: Kündigung. Für Viele aus dem Nichts und weitestgehend unverständlich.

Doch was war passiert? Ich hatte zwar ‚Etwas‘ gefunden in dem ich erfolgreich war und womit man auch Geld verdienen konnte. Doch es fehlte schlicht die Begeisterung sowie die Motivation dauerhaft meine Kraft hierein zu investieren. Zumindest für mich hatte sich das nicht als der richtige Weg herausgestellt. 8 Jahre nach meinem Abitur beschäftigte mich noch immer die Frage nach gesellschaftspolitischen Zusammenhängen, Missständen und Möglichkeiten. Ich hatte während meines Jobs nochmal ein Fernstudium der Politikwissenschaften begonnen und mich in meiner Freizeit wieder intensiver in gesellschaftspolitische Themenfelder eingelesen, eingearbeitet und auch daran aufgerieben. Dabei wurde eine zentrale Frage für mich immer drängender: „Wie kann es gelingen, möglichst viele Menschen für gesellschaftspolitische Fragestellungen zu begeistern und zu sensibilisieren?“

Denn Begriffe wie Fakenews, Hatespeech, Wahrheit, Lüge, Objektivität, Verschwörungstheorie, Fakten oder Falschmeldung bestimmen heute den Blick auf Medien & Politik. Die Debatten sind emotional stark aufgeladen. Es geht oft um mangelnde Medienkompetenz oder Politikverdrossenheit. Also beschloss ich auf genau diese Fragestellung mit meinem Social-Startup und der Web App ‚fakeodernews‘ eine Antwort zu suchen: Ein digitales Newsgame, in dem User jeden Tag kritische Fragen zu Politik & Gesellschaft mit kontroversen Aussagen, informativen Antworten, transparenten Quellen und vergleichenden Statistiken spielen können.

Zunächst komplett alleine und mit ein wenig Erspartem ausgestattet, ging die Reise los: Konzept ausarbeiten, Business-Plan schreiben, Crowdfunding planen, Entwickler suchen, Inhalte recherchieren und methodisch aufbereiten. Die Finanzierung gestaltet sich bei derartigen Projekten immer schwierig, aber ich konnte abschätzen, dass ich ca. 1 Jahr durchhalten würde. Was danach passiert, musste sich einfach auf dem Weg zeigen. Denn was hatte ich zu verlieren? Außer ein paar Euro, letztlich nichts!

Seit Mitte 2017 und inzwischen bereits 1,5 Jahren stecke ich also voll und ganz in meinem Projekt ‚fakeodernews‘. Mit einigen Höhen und Tiefen: Die Prototyp-Entwicklung lief nicht optimal, dennoch konnten wir letztlich mehrere tausend User auf unsere Plattform holen. Spätestens als ich mir Anfang 2018 die Achillessehne riss, konnte ich das Projekt unmöglich alleine vorantreiben. Woraufhin ich – im wahrsten Sinne des Wortes – unbezahlbare Hilfe von Freunden für das Projekt erhalten habe. Die Finanzierung der Entwicklung war zwischendurch unsicher, aber wir konnten ein erfolgreiches Crowdfunding dank zahlreicher Unterstützer realisieren. Wir hatten keinerlei Budget für Marketing, haben jedoch unglaublich viele Unterstützung von spannenden Leuten & Machern erhalten.

Ich könnte die Liste an dieser Stelle endlos fortführen, möchte meine Geschichte jedoch folgendermaßen zusammenfassen: Trotz aller Schwierigkeiten mache ich nun ‚etwas‘, das mich jeden Tag antreibt und motiviert. Wie das ganze Projekt enden wird, steht aktuell noch in den Sternen. Bereut habe ich den eingeschlagenen Weg bisher jedoch erfreulicherweise keinen einzigen Tag.


Zusammenfassung fakeodernews


PR-Aktivitäten


 

 

Diese Geschichte wurde von Simon Sonnenberg eingereicht.