Eigentlich war schon vor meiner Geburt aus klar, was einmal aus mir werden würde – zumindest war es meinen Eltern und Großeltern klar. Nur ich selbst war zunächst der Meinung, einen Weg einzuschlagen, welcher eben nicht geebnet war und somit hätte einfach und ohne größere Anstrengungen begangen werden können.

Ich war das zweite Kind meiner Eltern, und wäre es mit mir so easy verlaufen wie mit meinem älteren Bruder, hätten Mama und Papa wohl auch noch über ein drittes Kind nachgedacht. Es war wirklich nicht leicht mit mir: schon Monate vor meiner Geburt gab es eine Diagnose welche da lautete: „Steißendlage“! Steißendlage bedeutet, dass dieses Kind auf keinen Fall ohne Stress und Hektik zur Welt kommen wollte. Kinder in Steißendlage liegen verkehrt herum und würden quasi rückwärts zur Welt kommen. Da das Risiko für eine solche Geburt viel zu groß ist, versuchten hochqualifizierte Ärzte und Professoren einer Münchener Spezialklinik das Kind – in diesem Fall mich – zu wenden. Solch eine Aktion glückt eigentlich immer nur dann, wenn das zu wendende Kind auch mitmacht. Ich hatte mich damals entschlossen, nicht mitzumachen und gleich schon vor Beginn meines Lebens einen besonderen Weg einzuschlagen. Es kam daher nur ein Kaiserschnitt in Frage.

Nun schon mal auf dieser Welt angekommen, durfte ich die ersten beiden Jahre meiner Kindheit im schönen Tegernseer Tal verbringen. Mein Vater war im legendären Hotel Bachmair Küchenchef, meine Mutter Hausfrau und mit der Erziehung der beiden Söhne beschäftigt. Viele Jahre später kehrte ich nach Rottach Egern zurück – doch dazu später.
Kaum 2 Jahre alt, zog ich mit der ganzen Familie auf die Schwäbische Alb. Vater übernahm dort die Stelle des Geschäftsführers in einem neuerbauten Golfhotel, Mutter blieb ihrer Rolle als Hausfrau treu, mein Bruder kam dort in den Kindergarten und ich fing schon damals an, auf meiner Spielzeugküche Suppe aus Apfelsaft und Haferflocken zu kochen. Es wäre klischeehaft, jetzt schon davon zu sprechen, dass zu dieser Zeit meine Liebe zum Kochberuf begonnen hätte. Nein, erst einmal lief es alles in eine ganz andere Richtung. Natürlich kam auch für mich die Zeit des Kindergartens, der Grundschule und letztlich der Realschule. Wie jeder weiß, steht auf jedem Lehrplan das Thema „Berufsfindung“, und so hatte auch ich die Qual der Wahl, mich für das ein oder andere Praktikum zu entscheiden. Ich konnte zum Ersten für einige Tage bei der Bereitschaftspolizei hineinschnuppern und verstand schnell, dass ein kreativer Kopf hier nichts verloren hat. Auch der Versuch in einer Krankenhausküche fruchtete so wenig wie die Umschau in der Pflege. Bei allem was ich mir anschaute sprang der Funke nicht über. Natürlich interessierte ich mich auch dafür, wie viel Geld später einmal mit dem Erlernten verdient werden könnte. Schule war für mich immer anstrengend, zugegeben, sie viel mir auch nicht leicht. Jede gute Note musste ich mir hart erarbeiten. Da wollte und konnte ich an ein Abitur mit darauffolgendem Studium gar nicht denken.
Mein Vater hatte immer in der Sternegastronomie gearbeitet. Einige Jahre war er sogar selbst als Restaurantkritiker tätig. Weiter geprägt, durch das eigene Lokal meiner Eltern, rückte der Beruf des Koches immer mehr in meinen Fokus. Ich entschied mich Bewerbungen zu schreiben, um in die Sterneküchen der Republik zu schauen. Vater kannte die besten Adressen und wusste, wo vorbildliche Ausbildungen garantiert sind. Meine Gastspiele dauerten oft mehrere Tage. Ich lernte den Fassettenreichtum unterschiedlicher Betriebskonzepte kennen: ob im 5-Sterne-Hotel Bareiss in Baiersbronn oder im individuell geführten Landhaus Feckl in Eningen – jedes Unternehmen hatte seinen besonderen Reiz für mich. Schnell war mir klar: „Egal wo alles anfängt, ich muss sie alle kennenlernen!“.
Nun, angefangen hat dann alles auf Burg Staufeneck. Zum einen war der Betrieb heimatnah gelegen – ich hatte noch keinen Führerschein und kein Auto – zum anderen fühlte ich mich schon im Praktikum dort besonders wohl. Bis heute ist mein Machen und Tun von „der Burg“ und von Rolf Straubinger geprägt. Dort oben, hoch über Salach, liegen die Wurzeln meiner Kariere als Koch.
Unterbrochen von einem Jahr als „Zivi“ in der Altenpflege, zähle ich die Spitzenlokale wie Perlen auf dem Faden meines Lebens. Landhaus Feckl, Schubeck´s Tiroler Stuben in München, Johannes King aus Sylt, Ruggaber´s Lamm in Rosswag, Steinheuers Restaurant in Heppingen, Christian Jürgens in der Tegernseer Überfahrt und Daniel Humm im Eleven Madison Park in New York zählen ebenso zu meinen Stationen, wie meine Tätigkeit als Coach im Bildungszentrum der DEHOGA Baden Württemberg.

Ein Leben, welches nicht in gerader Linie verläuft, immer wieder gibt es Bögen und Kurven, immer wieder schneiden sich die Linien. So fand ich nach 25 Jahren wieder zurück an den Platz meiner Kindheit und durfte mit Christian Jürgens den 3. Michelinstern erkochen. Ganz am Ende meines Daseins als angestellter Koch landete ich wieder auf Burg Staufeneck. Der Lehrling von einst stand nun Seite an Seite mit seinem ehemaligen Lehrmeister am Herd. Ich bin herangewachsen und heute auch Küchenmeister. Aus meinem damaligen Chef ist ein Freund geworden – eine Freundschaft mit großem gegenseitigem Respekt.
Bei all meinem Engagement, mit den Guten und Besten zu kochen, blieb natürlich nicht aus, auch zu den Guten und Besten zu gehören. Um sich in jungen Jahren zu beweisen blieb in meiner Brache eigentlich nur der Wettbewerb in Form eines Wettkochens. Immer wieder konnte ich mich so als Jungkoch beweisen. Ob nun beim renommierten Achenbachpreis, dem Contest zum besten Fischkoch der Zeitschrift „Feinschmecker“ und „Linie Aquavit“ oder „HUK-Tarteletts-Award“; immer wieder war es mir möglich mit auf der Siegertreppe zu stehen. Zu den größten Erfolgen zähle ich den „Best of Young-Chef Germany & Austria“, welchen ich beim „Pellegrino-Award“ erringen konnte. Nicht zuletzt ist zu erwähnen, dass mein Weg, beim bekanntesten Wettbewerb der Welt, dem „Bocuse d‘Or“, bis zur Endausscheidung nach Lion führte.

2017 war es dann soweit, ich gründete mein eigenes Unternehmen. Ein Unternehmen, welches so in der Gastronomie eine Sonderstellung einnimmt. Sehen – Staunen – Schmecken steht auf drei Säulen. Da ist ein klassischer Cateringbereich mit einer hochmodernen Produktionsküche. Weiter betreiben wir eine eigene Kochschule und betreuen Kochschulen in Geislingen und Heidenheim. Ich spreche im Plural, da das Unternehmen mittlerweilen 3 Mitarbeiter und einen AZUBI beschäftigt. Das dritte Standbein des Unternehmens ist im Bereich der Betriebsberatung angesiedelt. Kollegen, Existenzgründer oder in Schieflage geratene Betriebe nützen unser Know-How in der besonderen Form des aktiven Beistandes. Wir beraten nicht nur mit „Schlauen Sprüchen“, sondern stehen unseren Kunden im Geschäftsalltag aktiv zur Seite.
Unsere Segel stehen voll im Wind, täglich kommen neue Aufgaben und Herausforderungen auf uns zu. Angefangen bei den Erfindungen kleiner Küchenhelfer bis hin zu unserem Onlineshop mit kreativen Leckereien. Kooperationen mit branchennahen Unternehmen stehen verstärkt auf unserem Plan. So binden wir den Müller mit seinem Fachwissen und seinen Produkten in unsere Backkurse mit ein. Der Jäger begleitet Wildkochkurse. Der Bierbrauer darf beim Kochen mit Bier nicht fehlen. Unser Ziel ist eine optimale Vernetzung von Menschen, Produkten, Kultur und Brauchtum.

Alles unter dem Motto „Erfolg durch Fleiß und Menschlichkeit.“.

Weitere Infos, Bilder, Beiträge und Videos über mich und mein Unternehmen finden Sie auf unserer Homepage www.matthias-walter-koch.de, auf unserer facebook-Seite https://www.facebook.com/MatthiasWalterKoch/ oder bei YouTube https://youtu.be/mTARiXj0wu4

 

 

Diese Geschichte wurde von Matthias Walter eingereicht.