Hallo,
ich weiß garnicht so genau, wie und wo ich beginnen soll. Mein Weg…der ist ja gefragt…so lange wurde ich gejagt, und bin mittlerweile ziemlich betagt. Und dennoch habe ich über all die Jahre den Kampf nie aufgegeben, bis heute, habe ich Ziele, möchte nach Neuem streben…LEBEN!!!

Ich bin mittlerweile 41 Jahre alt und lebe in Köln. Vor knapp 30 Jahren wurde ich Opfer eines traumatischen Ereignisses…ich wurde Opfer einer Vergewaltigung. Der Täter hatte „leichtes Spiel“ mit mir, da ich in ihm die einzige Person sah, der ich glaubte, vertrauen zu können. Ich floh regelmäßig aus dem chaotischen Zuhause, der sich stets bekriegenden Eltern. Damals verstand ich nicht, warum das so war…heute weiß ich, dass meine Mutter meinen Vater hasste, denn er hatte sich an meiner Schwester vergriffen:(….sie schwieg über viele Jahre, wollte es verdrängen…doch der Körper hielt es nicht aus, es entstand Krebs…sie kämpfte hart und lang, aber die Krankheit bereitete ihr ein unschönes Ende…wobei ich bei ihrem letzten Atemzug ihre Hand hielt:((( Wie gern hätte ich mit ihr noch darüber geredet, was uns beiden passierte…
Nun, ich flüchtete mich also regelmäßig zu einem Nachbarn. Dort durften ich, und auch weitere Kinder, immer die neueste Musik hören, rauchen, Erwachsenenfilme sehen….feiern…ich konnte dort vergessen, wie es zuhause war, fühlte mich gewollt und gemocht…hätte ich nur geahnt, wie sehr und auf welche Art und Weise:(
Es schlich sich mehr und mehr ein…ich bekam abends Alkohol..erinnere mich, wie erste Übergriffe stattfanden…konnte das alles nicht einordnen, war betrunken…an Folgetagen verdrängte ich sowas dann wieder…
Bis eines Abends mehr passierte, zu viel…ich war allein dort…bekam Alkohol…viel…irgendwann wachte ich in seinem Bett auf…, ich möchte hier nicht all die Einzelheiten aufführen:(

Nach dieser Nacht, am nächsten Tag, war ich ein anderer Mensch. Innerhalb weniger Stunden hatte ich mich von einem offenen, lachenden und intelligenten kleinen Jungen in ein Wrack verwandelt, ein Wrack, das vor Allem und Jedem Angst hatte, dem es an jeglichem Selbstvertrauen fehlte…fast bis heute…
Es dauerte etwa 10 Jahre, bis ich überhaupt darüber reden konnte…so konnten sich Depressionen, PTBS und soziale Phobie intensiv einnisten… in der Zeit viel mein Leben zusammen. Von einem aufgeweckten Gymnasiasten, der studieren, die Welt sehen wollte, fiel ich über Realschulen bis zur Hauptschule…ich trank, beging Diebstähle…vlt. um irgendwie auf mich aufmerksam zu machen, keine Ahnung…denn innerlich schrie ich um Hilfe, jedoch stumm:((( Also hielt man mich einfach für ein Schwarzes Schaf, einen Jungen, der keinen Bock auf irgendwas hat… aus Verzweiflung kam ich zeitweise in ein Jugendheim…dort flüchtete ich…dann kam ich über mehrere Monate in eine Psychiatrie für Kinder…dort wurde ich nur entlassen, wenn meine Mutter sich getrennt und eine eigene Wohnung besorgt hatte…ein zuhause für mich… nun, das zuhause wechselte in den nächsten Monaten und Jahren etwa 10 mal…so hatte ich niemals die Möglichkeit, Stabilität aufzubauen, Freunde zu finden…ich hatte einfach kein Fundament…und hatte es auch nie gehabt…

Um alles abzukürzen…ich habe über Jahre alle möglichen Therapien absolviert, Medikamente ausprobiert…versucht, zu arbeiten…alles immer nur von kurzem Erfolg…in den letzten jahren habe ich es aber endlich geschafft, meine Schullaufbahn zu einem „glücklichen“ Ende zu bringen, habe mein Fachabitur nachträglich erworben und im Anschluss sogar erfolgreich eine Ausbildung abgeschlossen. Ich habe 3 kleine „Bücher“ mit meinen Gedichten, meinen Gedanken in der Depression, veröffentlicht, worauf ich sehr stolz bin…aber bis heute ist es so, dass mich immer wieder Ängste übermannen, es verhindern, dass ich ein wirklicher Teil der Gesellschaft bin. Ich nehme immer wieder an Assessments teil, absolviere alles mit Bravour, aber sobald es zu persönlichen Vorstellungsgesprächen kommt, breche ich zusammen, blackouts…versagen:(((…deshalb habe ich mich nun entschlossen, mir einen Traum zu erfüllen, der vor einigen Jahren in mir erwachte…ich habe festgestellt, dass ich, wenn ich in der Natur bin, wenn ich wandere, keine Ängste verspüre, dass ich einfach nur SEIN kann, ohne Druck, ohne Erwartungen von mir oder an mich…ich möchte, wenn es um Wandern geht, DEN absoluten Wanderweg gehen…den Pacific Crest Trail in den USA. Knapp 4400 Kilometer!!! durch die Wildnis, Wüste, über 4500er Berge, Wälder…mit Bären, Berglöwen und Schlangen…ich möchte mich in extremer Form meinen Ängsten stellen, mich unumgänglich mit mir selbst beschäftigen…endlich wieder zu mir finden…meinen Platz in der Welt, meinen Sinn finden…und eine Perspektive für die Zukunft!!! Ich habe mittlerweile das „Permit“, also die Genehmigung, um den Weg laufen zu dürfen, bekommen. Am 06.04.2019 darf ich losgehen, an der kalifornischen Grenze zu Mexiko…bis nach Kanada…falls ich es überlebe:-)…das Problem, die Finanzierung:(((…daher spare und spare ich, das bisschen, was ich eh nicht habe…und ich habe eine crowdfunding seite gestartet, wofür man aber fast nur Häme bekommt in DE, weil nur Kritik und Missgunst herrscht, leider…umso mehr freut man sich über die vereinzelten positiven Rückmeldungen und Unterstützer. Hier das Projekt: https://www.gofundme.com/pacificcresttrail-ein-lebenstraum

Zu diesem Weg, und dem Weg, der mich zu diesem Weg geführt hat, werde ich ein Buch schreiben, und in der Wildnis natürlich Fotos und Videos anfertigen, die im Anschluss zu einem Film, einer Doku werden…das ist das Abenteuer meines Lebens…ein once in a lifetime Projekt…um endlich wieder zu mir zu finden, angstfrei zu werden…endlich zu LEBEN!!! nach 30 jahren Schlaf…aufwachen

Thomas

 

 

Diese Geschichte wurde von Thomas Paschen eingereicht.